Wie man mit der bloßen Hand Ytongsteine spaltet oder mit Nacken, Stirn oder Unterarm Besenstile zertrümmert, das bekamen die Besucher beim Tag der offenen Tür zu sehen, zu dem Ringer-Bundesligist ASV Mainz 88 in sein Athletikzentrum geladen hatte.
Sportverletzungen
Typische Sportverletzungen und wie man sie am besten vermeidet
Priv. Doz. Dr. med. habil. Jan Korner
im Gespräch mit Donna Schwarz von 97eins.
Herr Dr. Korner, zum Auftakt unserer Gesundheitswoche fangen wir mal mit etwas ganz Allgemeinem an: Was sind denn die typischsten Sportverletzungen?
Dr. Jan Korner: Erstaunlicherweise treten die häufigsten Sportverletzungen eher bei tagtäglichen Belastungen oder Sportarten auf und gar nicht bei besonders ungewöhnlichen oder gefährlichen Sportarten. Eine Sportverletzung entsteht in der Regel aus einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit. Das bedeutet, ein Großteil der Sportverletzungen wäre eigentlich vermeidbar.
Das heißt, ich als Sportler kann Sportverletzungen am besten vorbeugen, indem ich dieses Missverhältnis verhindere oder ausgleiche?
Dr. Jan Korner: Genau! Um Sportverletzungen zu vermeiden, muss man entweder die Belastung reduzieren oder die Belastbarkeit des Körpers erhöhen. Eine höhere Belastbarkeit erreicht man – klar – durch Training. Das heißt aber auch, dass das Training an die Fähigkeiten, also Kraft, Ausdauer und so weiter angepasst sein muss.
Bedeutet das, viele Sportler überschätzen sich? Ist es der falsche Weg, einfach loszulegen, wenn man gerade motiviert ist?
Dr. Jan Korner: Richtig, einfach ohne Planung loslegen ist genau falsch. Die meisten Leute, die eine Sportart neu beginnen, wollen zu schnell zu viel. Das Prinzip ist eigentlich immer das gleiche: Der Körper ist untrainiert und kann deswegen die Belastung nicht vertragen. Darauf reagiert er mit der Verletzung im Sinne einer Überlastung. Bei einer einmaligen, besonders schweren Überlastung kann es sogar zur Verletzung einer Struktur kommen, beispielsweise einem Bänderriss oder einem Muskelfaserriss.
Unsere Hörer interessiert sicher vor allem, welche Verletzungen bei weit verbreiteten Sportarten besonders häufig sind. Fangen wir doch mal mit Fußball an, welche Sportverletzungen treten denn da oft auf?
Dr. Jan Korner: Man kann fast sagen, Fußballer sind unsere besten Kunden. Sehr oft landen Fußballer bei uns, vor allem wegen Knie- oder Sprunggelenksproblemen. Das Problem beim Fußball liegt in dem häufigen Wechsel von schneller Beschleunigung und schnellem Stoppen: Dabei werden die Knie, die Sprunggelenke, aber auch die Hüftgelenke besonders stark beansprucht.
Zu welchen typischen Verletzungen führt das dann meistens?
Dr. Jan Korner: Die typischen Verletzungen sind beispielsweise Meniskusschäden und Verletzungen von Seitband oder Kreuzband in den Kniegelenken. Aber auch Hüftprobleme kommen oft vor. Bei langjährigen Fußballspielern gibt es auch manchmal eine Verletzung, die man sogar als Fußballersprunggelenk bezeichnet: Das ist eine deutliche Verkleinerung des Gelenkspalts durch eine Knorpelverminderung.
Und wie ist das beim Tennis? Das ist ja auch ein sehr verbreiteter Sport.
Dr. Jan Korner: Tennis ist in der Hinsicht dem Fußball gar nicht so unähnlich: Auch hier wird schnell beschleunigt und schnell gestoppt. Auch hier sind also Knie und Sprunggelenke oft überbelastet und somit anfällig für Verletzungen. Aber beim Tennis kommen natürlich noch Ellenbogen und Handgelenke als Verletzungsquelle hinzu. Daher kommt ja auch der Name Tennisellenbogen: Dabei sind Sehnen und Bänder an den Knochenansätzen, meist im Außenbereich des Ellenbogengelenks, überlastet.
Das hört sich ja schwer nach „Sport ist Mord“ an oder?
Dr. Jan Korner: Nein, also das kann man nun wirklich nicht sagen. Wie ich vorhin schon angedeutet habe: Wenn man angemessen trainiert und seinem Körper auch Zeit zur Regeneration gibt, lassen sich fast alle „leichteren“ Sportverletzungen vermeiden.












